Ankunft in Neu-Delhi

Hände vor dem Herzen zusammenführen. Oberkörper leicht nach vorne neigen. „Namaste.“ Als ich mich wieder aufrichte, blicke ich in ein strahlendes Gesicht. „Namaste, welcome to beautiful india!” Na, das nenn’ ich doch mal eine freundliche Begrüßung. Ich packe meinen abgestempelten Reisepass ein und schnappe mir meinen Rucksack. Endlich bin ich in Indien. Wie lange habe ich von einer Reise durch dieses Land geträumt, habe monatelang Reiseführer und Karten gewälzt und
die für mich perfekte Reiseroute zusammengestellt. Und nun bin ich hier! Gut gelaunt stapfe ich über die kackbraune Auslegware aus den 70ern, die dem Indira Gandhi Flughafen in Neu-Delhi einen gewissen Retro-Chic verleiht, und marschiere zum Ausgang.

Draußen vor dem Flughafenterminal ist einiges los. In dem Getümmel muss ich mir erst mal einen kleinen Überblick verschaffen. Müde von der langen Reise und etwas überfordert von den vielen Eindrücken und den ohrenbetäubenden Geräuschen, die gerade auf mich einprasseln, lehne ich mich gegen einen Pfeiler und schaue mich um.
Ich suche ein Taxi oder ein Tuk Tuk, denn ich muss zum Busbahnhof. Von dort werde ich Neu-Delhi gleich wieder verlassen und nach Mandawa im Nordosten von Rajasthan fahren. Die indische Hauptstadt werde ich mir erst am Ende meiner Reise genauer anschauen.

Nach kurzem Suchen treffe ich auf eine Gruppe von Männern, die vor ihren Tuk Tuks in der Sonne sitzen. Als ich zielstrebig auf sie zulaufe, springt sofort ein drahtiges Männlein auf und lacht mich freundlich an. „Kashmiri Gate? Inter State Bus Terminal?“, frage ich und zeige auf mein bereits gekauftes Busticket. „Yes, please!“ Mit einer einladenden Handbewegung fordert er mich auf, im Tuk Tuk Platz zu nehmen.

Karte Indien

Ich quetsche mich mit meinem großen Rucksack auf die Rückbank. In einem Affentempo brausen wir an malmenden Kühen und borstigen Schweinen vorbei, die zwischen Müll und Unrat nach etwas Essbarem suchen. Kinder spielen kreischend am Straßenrand. Rechts und links preschen unzählige Autos an uns vorbei. Jeder fährt, wie er will und Hupen scheint in Indien ein Volkssport zu sein, dem mit großer Freude und viel Elan nachgegangen wird.

Ich presse meinen zusammengeknüllten Schal an die Ohren, um meinen verwöhnten europäischen Lauschern für einen kurzen Moment etwas Ruhe zu gönnen. Wissend nickt mir mein Fahrer durch den Rückspiegel zu. „India very loud!“ In gebrochenem Englisch fügt er noch hinzu: „Indisch Mann nix hupen, indisch Mann sein tot!“ Lachend klopft er sich auf seinen mageren Oberschenkel und tritt beherzt aufs Gaspedal. Am Kashmiri Gate steige ich aus. Gut, dass ich einen ordentlichen Zeitpuffer eingeplant habe, denn der Busbahnhof ist riesig und es dauert eine ganze Weile, bis ich den
richtigen Bus gefunden habe.

Mandawa & Nawalgarh

Für einen Moment weiß ich nicht, wo ich bin, dann fällt es mir wieder ein. Es ist dunkel im Bus. Nur das Armaturenbrett ist bläulich beleuchtet. Am Rückspiegel baumelt eine kleine Figur des indischen Elefantengottes Ganesha. Mein Sitznachbar schläft. Gerade als auch ich wieder die Augen schließen will, sehe ich zwei Lichtkegel immer näher auf den Bus zukommen. Panisch richte ich mich auf und versuche zu erkennen, ob der Fahrer vielleicht eingeschlafen ist. Aber nein, er sitzt hoch konzentriert am Steuer und lenkt stur und unbeugsam auf das immer näherkommende Fahrzeug zu. Im letzten Moment weicht der andere Fahrer aus und zieht rüber. Schweißgebadet lasse ich mich in meinen Sitz zurückfallen. Mannomann,
das war knapp!

Kuh in Mandawa

Am frühen Morgen steige ich in Mandawa aus dem Bus. Die kleine Stadt in der wüstenartigen Shekhawati-Region im Nordosten des Bundesstaats Rajasthan scheint zunächst etwas trostlos und verlassen. Ausgetrocknete Grasbüschel rollen wie in einem alten Wildwestfilm an mir vorbei. Die pastellgelben und ockerfarbenen Häuser sind teilweise ziemlich verfallen, von den Wänden bröckelt der Putz. Der einzige Farbtupfer in dieser doch recht tristen Szenerie ist eine Frau in einem bunten Sari, die ihren Schleier tief ins Gesicht gezogen hat, um sich vor dem feinen Wüstenstaub zu schützen, der durch die schmalen Straßen weht.

Doch das auf den ersten Blick etwas unscheinbar anmutende Mandawa und auch das nahe Nawalgarh, das ich ebenfalls noch besuchen werde, sind wirklich sehenswert. Beide Städtchen sind bekannt für ihre gut erhaltenen Havelis, prachtvolle Handelshäuser aus dem 18. und 19. Jh., die über und über mit kunstvollen Wandmalereien geschmückt sind.

In meiner Unterkunft stelle ich den Rucksack ab und mache mich gleich auf den Weg in die Altstadt, die im Gegensatz zu den verfallenen und eintönigen Häusern am Ortsrand recht bunt ist. Mandawa ist wirklich schön. Es gibt kleine Geschäfte mit Postkarten, Schmuck, Saris und allerlei buntem Nippes, außerdem einige nette Restaurants und Cafés, die zu einer Teepause einladen.

Am Sonthliya-Tor, das die Hauptbasarstraße überspannt und mit einer großen Krishnafigur gekrönt ist, treffe ich meinen Guide Sailesh, der mich durch die freskengeschmückten Handelshäuser führen wird. Gemeinsam schlendern wir durch die ungepflasterten sandigen Gassen, die von bonbonfarbenen Häusern und den bemalten Havelis gesäumt sind.

Haveli

Nach unserer Besichtigungstour gönnen wir uns eine Tasse Masala Chai Tee und fahren anschließend mit dem Jeep in das nur wenige Kilometer entfernte Nawalgarh. Auch hier schauen wir uns die bunten Havelis an und besuchen zum Abschluss die Chattris, die Begräbnisstätten der lokalen Herrscher. Der mächtige Bau aus dem Jahr 1824 mit den bengalischen Dächern und den zierlichen Säulen wirkt verlassen. Keine Menschenseele ist zu sehen, nur ein paar Kühe liegen kauend im sandigen Innenhof und schauen uns verdutzt an.

Einen ausführlichen Bericht zu meinem Besuch in den Havelis findest du hier.

Sariska Nationalpark

Auf meinem Weg in die Millionenstadt Jaipur, in der ich die nächsten Tage verbringen werde, um mir nicht nur die Stadt selbst, sondern auch das imposante Fort von Amber und den großen Stufenbrunnen Chand Baori anzuschauen, mache ich einen kleinen Abstecher in den Sariska Nationalpark. Das Tierschutzgebiet in den Aravalli-Bergen, das 1979 den Status eines Nationalparks erhielt, diente früher den Maharajas von Alwar als Jagdrevier.

Sariska-Nationalpark

Die tief in der indischen Religion und Tradition verwurzelten und in unzähligen Märchen verewigten Königstiger, die in diesem Gebiet einst zahlreich durch die Wälder streiften, sind mittlerweile beinahe verschwunden. Die Chancen stehen
für mich also ziemlich schlecht, während meiner gebuchten Jeep-Safari auf eines dieser majestätischen Tiere zu treffen.

Zum Schutz der scheuen Großkatzen wurde zwar das Project Tiger ins Leben gerufen, gebracht hat das aber bisher leider nicht allzu viel. Noch immer dezimieren professionelle Wildererbanden, die meist im Auftrag chinesischer Kunden arbeiten, die Tigerpopulation im Nationalpark dramatisch. Und auch die umliegende Bevölkerung rückt den Tieren und ihrem Lebensraum auf der Suche nach neuem Bau- und Ackerland immer weiter auf den Pelz.

Sariska-Nationalpark

Die Safari beginnt direkt nach Sonnenaufgang am Eingang des Besucherzentrums. Mit einem offenen Geländewagen brettern wir durch eine karge Dornenstrauchsavanne, die langsam in einen trockenen Laubwald übergeht.

So früh am Morgen machen sich die Tiere auf den Weg zu den Wasserstellen. Die Wahrscheinlichkeit ist also ziemlich groß, dort auf die unterschiedlichsten Parkbewohner zu stoßen. Und tatsächlich ist an den morastigen Löchern schon einiges los. Rebhühner gackern, farbenfrohe Vögel zwitschern hoch oben im Geäst, darunter stehen Sambarhirsche und Nilgauantilopen im Wasser und am Ufer treiben freche Makakenäffchen und Languren ihr Unwesen.

An einem See steigen wir aus und unternehmen eine kleine Wanderung. Neben Schnepfenvögeln, Störchen und Reihern beobachten wir aus sicherer Entfernung auch einige Krokodile, die faul auf kleinen Inseln im See liegen. Dann geht es wieder zurück. Tiger habe ich leider tatsächlich keine gesehen, dennoch hat sich der Ausflug für mich absolut gelohnt.

Jaipur

Rama Ring Ring Ringa, Rama Ring Ring Ringa … ich sitze in einem kleinen Restaurant in der rosafarbenen Stadt Jaipur, schaufle mit einem Stück Naan-Brot ein leckeres Linsencurry in mich hinein und lausche dabei der indischen Popmusik,
die hinter mir aus einem alten Radio dröhnt.

Jaipur

Die etwa 3 Mio. Einwohner zählende „Pink City“ mit ihren Tempeln und Palästen gehört wohl zu den meistbesuchten Städten Indiens. Zu verdanken hat sie ihre einheitliche Fassadengestaltung dem Besuch des Prince of Wales, des späteren Königs Edward VII., am Hof des Maharajas. Um seine Stadt in einem eindrucksvollen und repräsentativen Glanz erscheinen zu lassen, ließ der Herrscher damals sämtliche Häuser in einem zarten Rosa streichen. Bis heute wird diese Tradition beibehalten und ist sogar gesetzlich verankert.

Nach dem Essen bummle ich durch die schöne Altstadt. Zum Glück blieb der historische Kern von Jaipur von modernen Neubauten weitgehend verschont und zeigt sich auch heute noch fast so wie zur Zeit seiner Gründung im Jahr 1727.
Eine imposante und nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer, die in regelmäßigen Abständen von reich verzierten Toren durchbrochen wird, umschließt die verschiedenen Wohnviertel, Basare und den großen Stadtpalast, den ich gleich besichtigen werde.

Musiker in Jaipur

Der Palast, in dem noch immer der Maharaja von Jaipur residiert, liegt etwas versteckt hinter einer Reihe von einfachen Wohn- und Geschäftshäusern. Nachdem ich eine Weile umhergeirrt bin, finde ich endlich den Eingang in einer verwinkelten Gasse. Die gepflegte Anlage besitzt mehrere Innenhöfe, kleine Pavillons und Hallen mit zierlichen Säulen. Die Wände sind mit einem hübschen Rankendekor bemalt, von der Decke baumeln wuchtige Leuchter. Die angeblich größten Silbergefäße der Welt, in denen der Maharaja Madho Singh II. auf seiner Europareise anlässlich der Krönung Edwards VII. heiliges Wasser aus dem Ganges transportieren ließ, funkeln in der Sonne. Ich schaue mir alles in Ruhe an und schlendere gemütlich durch die luftigen Gänge.

Gegenüber dem Palasteingang liegt das Jantar Mantar, ein Observatorium, das ich nach einem kleinen Rundgang aber
gleich wieder verlasse. Ich mache mich lieber auf den Weg, um mir das berühmteste Bauwerk der Stadt anzuschauen,
den wunderschönen Palast der Winde (Hawa Mahal).

Palast der Winde

Der Hawa Mahal ist kein Gebäude im eigentlichen Sinne, sondern nur eine fünf Stockwerke hohe Fassade aus rosarotem Sandstein mit kleinen Erkern und vergitterte Fensterchen, durch die ununterbrochen der Wind pfeift – daher auch der Name (hawa = Wind, mahal = Palast). Durch diese Gitterfenster konnten früher die Haremsdamen unbeobachtet das Treiben auf der Straße verfolgen oder auch die zu Ehren des Herrschers oder an religiösen Festtagen veranstalteten pompösen Festumzüge beobachten, für die Jaipur auch heute noch berühmt ist.

Fort von Amber

Am nächsten Tag unternehme ich einen Ausflug zum Fort von Amber, das nur wenige Kilometer außerhalb von Jaipur hoch oben auf einem Hügel thront. Am Fuße der imposanten Befestigungsanlage liegt die gleichnamige Kleinstadt, die einst Herrschersitz der Maharajas und Hauptstadt der Kachchwaha-Dynastie war, bevor Jaipur zur Residenzstadt erklärt wurde.

Amber Fort

Obwohl es noch recht früh ist, verstopfen bereits die ersten Busse die engen Straßen. Dazwischen bahnen sich bunt bemalte Elefanten mit leeren Augen und gedankenlosen Touristen auf dem Rücken ihren Weg hinauf zum Fort, das sich malerisch im Wasser des Maoto Sagar Sees spiegelt. Auch ich mache mich an den Aufstieg, aber selbstverständlich gehe ich zu Fuß! Der Weg über das unebene Kopfsteinpflaster zieht sich und die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel auf mich nieder.

Amber Fort

Ich bin froh, als ich oben ankomme und einen riesigen Innenhof betrete. Für einen Augenblick verweile ich, atme tief durch und genieße die Aussicht auf die umliegenden Gipfel des Aravalligebirges. Die Anlage aus ockerfarbenem Sandstein ist gut erhalten, die Wände und Säulen sind mit weißen Marmorplättchen verkleidet. Besonders schön ist der Spiegelsaal, der über und über mit Spiegeln in den unterschiedlichsten Größen verziert ist.

Chand Baori 

Meine Reise führt mich weiter nach Bharatpur, wo ich ein paar gemütliche Tage auf dem Land verbringen werde. Doch auf dem Weg dorthin lege ich einen kleinen Zwischenstopp ein und besuche den Chand Baori. Mit einer Tiefe von knapp 20 Metern ist er der größte Stufenbrunnen Indiens und war der hinduistischen Gottheit Harshat Mata gewidmet, der Göttin für Spaß und Freude.

Brunnen in der Nähe von Jaipur

Ein modriger Geruch liegt in der Luft. Ich umrunde den Brunnen, der in dieser wüstenartigen Region gebaut wurde, um Regenwasser zu sammeln, beuge mich weit über das Geländer und blicke in ein tiefes Wasserbecken. Die insgesamt 3.500 Stufen, die sich auf 13 Stockwerke verteilen, ergeben ein schönes regelmäßiges Muster und führen hinab auf den glitschigen Grund, der mit dunkelgrünen Algen bedeckt ist.

Bharatpur

Nach einer kurzen Busfahrt erreiche ich Bharatpur. Die kleine Ortschaft liegt ziemlich genau auf der Grenze zwischen den indischen Bundesstaaten Rajasthan und Uttar Pradesh. Außer einem Vogelschutzgebiet, dem Keoladeo-Ghana-Nationalpark, und dem mächtigen Fort Lohagarh gibt es allerdings nicht allzu viel zu sehen.

Gemüsestand in Rajasthan

Das macht aber überhaupt nichts. Nach meinem gewaltigen Besichtigungsmarathon in den letzten Tagen möchte ich mich hier einfach ein bisschen ausruhen und das indische Landleben kennenlernen.

Bharatpur

Ich unternehme lange Spaziergänge in die umliegenden Dörfer, immer gefolgt von einer Meute streunender Hunde, lande eher zufällig in einer kleinen Schule, wo ich freundlich aufgenommen werde und beobachte Frauen, die in bunten Saris auf den Feldern arbeiten. Außerdem trinke ich literweise Masala Chai Tee, verputze unzählige Samosas und die ein oder andere Portion Subji Korma, Gemüse in einer leckeren Sahnesoße mit Rosinen und Mandeln, das ich zu meinem neuen indischen Lieblingsgericht erkoren habe.

Fatehpur Sikri

Nach meiner Auszeit auf dem Land bin ich wieder bereit, mich in den nächsten Großstadtdschungel zu stürzen und mache mich langsam auf den Weg nach Agra. Dort werde ich das weltberühmte Taj Mahal besichtigen, doch vorher schaue ich noch in der Ruinenstadt Fatehpur Sikri vorbei, die nur knapp 40 Kilometer außerhalb der Millionenstadt liegt.

Fatehpur Sikri

Die roten Sandsteingebäude von Fatehpur Sikri sind schon von Weitem zu sehen, denn die verlassene Geisterstadt des Großmoguls Akbar liegt malerisch auf einem kleinen Hügelrücken. Durch das Agra Gate führt mich ein Weg zunächst
durch Ruinen, dahinter schlendere ich durch gut erhaltene Arkadengänge mit geschnitzten Sandsteinsäulen, Pavillons
und Innenhöfe.

Auf dem höchsten Punkt der zwischen 1569 und 1574 erbauten Anlage steht die große Dargah-Moschee. Der Palast lag etwas entfernt im Südosten der damaligen Stadt. Darunter befanden sich die Häuser der Adligen, farbenfrohe Basare und Handwerksläden, Karawansereien für die reisenden Händler, Bäder, Schulen und die Stallungen für Tausende von Elefanten, Pferden und Geparden.

Fatehpur Sikri

Im Nordwesten grenzte einst ein großer See an den Palastbezirk, der die gesamte Stadt mit Trinkwasser versorgte, seit langem aber ausgetrocknet ist. Die problematische Wasserversorgung war wohl auch der Grund, warum Fatehpur Sikri trotz all der Pracht schon nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wurde. Bereits seit 1610 ist die Stadt komplett verlassen und bröckelt nun munter vor sich hin.

Mausoleum Taj Mahal

Schon zeitig laufe ich mit einem Becher Tee durch die Straßen von Agra. Ich bin wahnsinnig aufgeregt, denn heute ist es endlich soweit. Heute werde ich es sehen, das märchenhafte Taj Mahal, dessen kuppelförmige Silhouette als Synonym für ganz Indien gilt. Für mich ist es eines der schönsten Bauwerke der Welt, wenn nicht sogar das schönste!

Taj Mahal in Agra

Vom Eingang der Anlage gelange ich in einen gepflegten Garten, der von hübschen Gebäuden mit langen Wandelgängen und zierlichen Säulen umgeben ist. Ich schaue mich um, doch das weiße Taj Mahal mit der bekannten Zwiebelspitze ist nirgends zu sehen. Erst als ich durch ein schweres, eisenbeschlagenes Holztor trete, liegt es vor mir, das Symbol unsterblicher Liebe.

Im Jahr 1631 ließ der Mogul-Herrscher Shah Jahan zu Ehren seiner verstorbenen Gemahlin Mumtaz Mahal („Perle des Palastes“) ein Mausoleum von beispielloser Schönheit errichten. Beinahe 20 Jahre bauten mehr als 20 000 Arbeiter, die besten Architekten und Steinmetze an dem Grabmal, das aufgrund seiner wunderbaren Architektur völlig zu Recht zu den sieben neuen Weltwundern gezählt wird.

Taj Mahal

Langsam und ehrfurchtsvoll laufe ich auf das beeindruckende Bauwerk zu. Der fleckenlose weiße Marmor strahlt in der Morgensonne. Im Inneren befinden sich die beiden Kenotaphe (Scheingräber) von Mumtaz Mahal und Shah Jahan.
Die echten Gräber liegen versteckt in einer unterirdischen Kammer. Die Wände sind mit funkelnden Edelsteinen besetzt,
die aus dem Orient zusammengetragen wurden. Filigrane Blumenranken zieren die Säulen und Fenster. Ich nehme mir
viel Zeit, schlendere durch die Gärten mit den kleinen Wasserbecken und schaue mir auch die anderen Gebäude an. Verzaubert sitze ich nach meiner Besichtigung eine Weile auf einer kleinen Mauer hinter dem Taj Mahal und blicke hinab
auf den Fluss Yamuna und auf die vielen bunten Saris, die dort zum Trocknen am Ufer liegen.

Tipps & Infos: Am Taj Mahal herrschen sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen. Speisen und Getränke, Kaugummis, Zigaretten, Feuerzeuge und Taschenmesser dürfen nicht mitgenommen werden. Selbst große Handtaschen oder
Rucksäcke müssen am Aufbewahrungsschalter direkt am Eingang abgegeben werden. Kleine Taschen sind erlaubt
und mit der Eintrittskarte erhältst du eine kleine Flasche Mineralwasser und ein paar Schuhüberzieher.

Taj Mahal

Orchha

Nach einer langen Zugfahrt erreiche ich am Abend müde und erschöpft meine Unterkunft in Orchha, eine historische Kleinstadt mit halb zerfallenen Palästen, die im 16. Jh. vom Clan der Bundela-Rajputen gegründet wurde.

Orcha

Orchha war eigentlich nur als unbedeutender Zwischenstopp auf meinem Weg von Agra nach Khajuraho eingeplant, entpuppt sich aber am nächsten Morgen bei einem Bummel durch die verwinkelten Gassen als ein wirklich hübsches Städtchen, das vom touristischen Trubel bisher wohl noch verschont geblieben ist.

Gemächlich bauen die ersten Händler ihre Waren auf. Brotfladen werden in Steinöfen gebacken. Gefüllte Teigtaschen brutzeln in schweren Pfannen und der Duft von Zimt und Kardamom weht durch die engen Straßen.

Ich schlendere über den mittelalterlich anmutenden Basar mit seinen vielen Süßwarenhändlern, laufe am Ufer des Betwa entlang und besichtige dort die fünfzehn Chattris, die Begräbnisstätten der Herrscher von Orchha, inmitten verwilderter Gärten. Über eine Brücke, auf der einige Kühe mit ihren Kälbern in der prallen Sonne liegen, erreiche ich schließlich den Palast Jahangir Mahal, den Bir Singh Deo zu Ehren des Mogulherrschers Jahangir im 17. Jh. errichten ließ und genieße von der dicken Palastmauer den Ausblick auf die Stadt.

Khajuraho

Zwei Tage später radle ich auf einem klapprigen Fahrrad, das ich mir extra für meine Besichtigung ausgeliehen habe,
durch die imposante Tempelanlage von Khajuraho im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh.

Khajuraho

Mit ihren kunstvollen und detailreichen Steinmetzarbeiten gehört die gut erhaltene Anlage nicht nur zum UNESCO-Welterbe, sondern zählt auch zu den bedeutendsten Kunstwerken ganz Indiens. Unterteilt ist sie in eine westliche, eine östliche und eine südliche Gruppe, die ich nun nach und nach abfahren werde.

Tempelanlage in Khajuraho

Die Tempel mit ihren spitz zulaufenden Türmen, die von Weitem wie überdimensionale Bienenkörbe aussehen, sind vor allem wegen ihrer zahlreichen erotischen Skulpturen bekannt, denn im Hinduismus ist Sexualität und Fruchtbarkeit ein Ausdruck des Göttlichen.

Die Anlage hat allerdings weit mehr zu bieten. So stellen andere Skulpturen Götter in verschiedenen Inkarnationen oder Fabelwesen dar und lange Friese bilden Jagdszenen oder Prozessionen mit Elefanten und Pferden ab. Besonders schön anzuschauen sind die himmlischen Schönheiten, auch Surasundari oder Apsara genannt, die tanzend, sich schminkend
mit einem Spiegel in der Hand oder sich die Füße mit Henna bemalend dargestellt sind.

Einen ausführlichen Bericht zu meinem Besuch in Khajuraho findest du hier.

Varanasi

Nach einer Bootsfahrt auf dem Ganges mache ich es mir an den Ghats, den breiten Steintreppen am Ufer des heiligen Flusses, gemütlich und beobachte die gläubigen Hindus bei ihrem rituellen Bad. Bis auf die gemurmelten Mantras und das Plätschern des Wassers ist es unglaublich still. Langsam erscheint die Sonne am Horizont und taucht den wolkenlosen Himmel in ein zartes Rosa. So früh am Morgen liegt wahrlich ein ganz besonderer Zauber über der Stadt.

Boot auf dem Ganges

Nicht weit von mir entfernt sitzen einige Sadhus. Die heiligen Männer, die der Welt und ihren irdischen Freuden entsagt haben, sind in tiefer Meditation versunken. Ihre nackten Körper sind in verblichene, orangefarbene Tücher gehüllt,
die langen Dreadlocks kunstvoll aufgetürmt. Rauchschwaden wabern umher und der süßliche Duft von Sandelholz liegt
in der Luft.

Nach einer Weile raffe ich mich auf und schaue mich ein bisschen um. Schon von Weitem sehe ich die lodernden Scheiterhaufen am Manikarnika Ghat, dem wichtigsten Ghat in Varanasi und Indiens heiligster Ort der Erlösung und Befreiung. Die Leichenfeuer gehen nie aus und tagsüber ist der Verbrennungsplatz ständig in einen Dunstschleier
gehüllt, während man nachts die glühenden Feuer bereits aus großer Entfernung erkennen kann.

Varanasi

Ich laufe durch die Stadt und versuche dabei den feierlichen Leichenprozessionen aus dem Weg zu gehen, die sich unaufhörlich durch die verwinkelten Gassen hinunter zu den Verbrennungsplätzen am Fluss winden, besichtige den Vishwanath-Tempel mit seinem goldenen Turm und erreiche schließlich das Dasashvamedha Ghat, den zentralen und größten Badeplatz in Varanasi. Auf den heiligen Plattformen am Ufer verfolge ich das faszinierende Ganga Aarti Ritual,
das zu Ehren der Göttin Ganga jeden Abend nach Sonnenuntergang stattfindet. Danach packe ich meine Sachen
zusammen, denn morgen geht es mit dem Zug zurück nach Neu-Delhi.

Einen ausführlichen Bericht zu meinem Besuch in der heiligen Stadt Varanasi findest du hier.

Zurück in Neu-Delhi

Da bin ich also wieder! Nach ereignisreichen Wochen und einer ruckeligen Nachtfahrt in einem völlig überfüllten Zugabteil bin ich wieder in Neu-Delhi, dem Ausgangspunkt meiner Reise, angekommen.

Bevor ich mich allerdings in das wuselige Getümmel der indischen Hauptstadt stürze, lasse ich es ruhig angehen und besuche das etwas außerhalb in einem blühenden Garten gelegene Grabmal von Humayun aus dem 16. Jahrhundert.
Das aus Marmor und Sandstein errichtete Bauwerk mit seiner mächtigen Kuppel ist das erste und eines der schönsten Gartengräber der frühen Mogulzeit und Vorläufer des Taj Mahals in Agra.

Grabmal von Humayun

Noch etwas weiter vom Stadtkern entfernt liegt das Qutb-Areal, das ich am Nachmittag besichtige. Neben der beeindruckenden Quwwat-ul-Islam-Moschee („Macht-des-Islam-Moschee“), der heute ältesten Moschee Indiens,
steht hier auch der prachtvolle Sieges- und Wachturm Qutab Minar. Mit 73 m ist er einer der größten Steintürme
Indiens, ein Musterbeispiel eines Minaretts und eines der größten islamischen Bauwerke aller Zeiten.

Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Bus durch den Bezirk von Alt-Delhi, passiere das gigantische Rote Fort, die Festungs- und Palastanlage von Shah Jahan und schlendere durch die bunten Basare zur Freitagsmoschee Jama Masjid, der größten Moschee Indiens.

Vor einer breiten Treppe ziehe ich meine Schuhe aus und betrete durch das Nordtor einen riesigen Innenhof, der mehr als 20 000 Gläubigen Platz bietet. In der Hofmitte befindet sich ein großer Reinigungsbrunnen aus Marmor. Die Gebetshalle mit ihren geschwungenen Bögen erstreckt sich über die gesamte Breite des Platzes.

Nach meiner Besichtigung fahre ich zum India Gate von 1921. Der 42 m hohe Triumphbogen zum Gedenken an die gefallenen Soldaten des 1. Weltkriegs liegt in einem schönen Park, in dem ich eine kleine Pause einlege. Anschließend laufe ich durch die Straßen, kaufe auf dem Tibetan Market noch einige Andenken und erreiche schließlich den quirligen Connaught Place mit seinen 1930er-Jahre-Arkaden.

In einem Restaurant bestelle ich mir ein leckeres Curry mit Naan-Brot und trinke meine letzte Tasse Masala Chai Tee.
Dann heißt es Abschied nehmen. Ich schnappe mir meinen Rucksack und beende meine Reise durch Indien, wie ich sie
vor einigen Wochen begonnen habe: mit einer rasanten Tuk Tuk-Fahrt zum Flughafen. Goodbye, beautiful India!

Warst du auch schon einmal in Indien? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Hinweis: Meine Indien-Reise war eine private Reise, die ich selbst finanziert habe. Jedoch enthält dieser Artikel unbezahlte Werbung durch Markenerkennung/Markennennung, persönliche Empfehlungen, werbende Inhalte und/oder Werbelinks*. Mehr zum Thema Werbung auf diesem Blog kannst du hier nachlesen.

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